Kölner Auswanderer richtete in Australien kölsche Internet-Seite ein

Etwas nördlich von Melbourne gibt es kölsche Verzällcher

Von Sven Hansel

"Kölle ist überall!" entfährt es manchem Kölner im Urlaub, wenn etwa im spanischen Badeort Calpe alljährlich eine "Fernausgabe" der "lachenden Sporthalle" produziert wird und Marie-Luise Nikuta bei 30 Grad im Schatten ihre Hits schmettert. Köln ist aber auch da, wo man es überhaupt nicht vermutet. In Bendigo, einer 65.000 Einwohner zählenden Stadt in Australien, 150Kilometer nördlich von Melbourne, gibt es 24Stunden täglich Informationen über Köln.

In den Genuß der kölschen Infos fernab vom Dom kommt man, wenn man im Internet die Seite: http://www.hitech.net.au/jhovel/Koelle.htm (jetzt nur noch hier!) anwählt. Unter dieser Adresse stößt man nämlich auf die Homepage ("A page in Cologne dialect - Kölsch") von Joe Hoevel, oder "vum Hövel's Juppes". So wurde Joe Hoevel noch bis 1971 genannt, bis zu dem Tag nämlich, an dem er nach Australien auswanderte.

Joe heiratet und wird Australier

"Ich wollte mich ein paar Jahre in der Ferne herumtreiben, bevor ich mich auf Karriere und Studium einließ", erzählt der sympathische Australier, der 1971 auf dem Rhein-Gymnasium in der Düsseldorfer Straße in Mülheim sein Abitur ablegte und sich unmittelbar danach in Richtung Australien aus dem Staub machte. In Melbourne angekommen, schlug sich Joe als Motorradmechaniker durch. Anschließend kaufte er sich einen Kleinlaster, mit dem er Süßigkeiten durch Melbourne fuhr. Als Fahrer lernte er schnell viele Leute kennen. So auch seine jetzige Frau Pamela, die er am 11.11.1972 heiratete. Und das war "kein Zufallstermin", wie Joe versichert, denn immer noch schlug ein kölsches Herz in ihm.

Juppes vor dem 'Höhenhaus' Grundstein... Mit seiner Frau zog er nach Bendigo, baute dort ein Haus, und 1975 wurde mit Sohn Tyson dem Ehepaar Hoevel das erste Kind geboren, 1977 folgt Tochter Britt. Seine Liebe zu Computern entdeckte Joe im gleichen Jahr, als er - mittlerweile australischer Staatsbürger - ein Studium der allgemeinen und der psychiatrischen Pflege begann. Computer sind nämlich bei der medizinischen Grundversorgung der australischen Bevölkerung wegen den riesigen Entfernungen von den Ärzten zu den Patienten gang und gäbe.

"Wir haben in Australien Ärzte, die vier Tagesreisen entfernt von der nächsten Großstadt arbeiten", erklärt Joe Hoevel. Deshalb entwickelte er "virtuelle Konferenzen". Bei diesen Konferenzen kann sich das Pflegepersonal über das Internet mittels Text, Fotos, Präsentationen und E-Mails austauschen.

Auf die Idee mit seiner kölschen Internet-Seite kam Hoevel aber erst vor zwei Jahren, als er im Internet auf der Suche nach kölscher Mundart war, die er so liebt. Und die Ausbeute dieser Suche war - für Internet-Verhältnisse - sehr mager. Noch heute meldet die Suchmaschine Yahoo "nur" 687 Treffer beim Suchbegriff "Kölsch". Daraufhin ergriff er selbst die Initiative und stellte sein Köln, wie er es in Erinnerung hat, fortan im Internet dar. Dort kann der Besucher, mittels eines Real-Audio-Programms, Tünnes-und-Schäl-Witze in kölscher Sprache anhören, kölsche Verzällcher lesen, oder er findet Querverweise auf andere kölsche Homepages im Netz der Netze.

Anfragen zu seiner Homepage hatte Joe mittlerweile aus der ganzen Welt, aus den Vereinigten Staaten etwa oder sogar aus Brasilien. Und die drehen sich zumeist um das Wort "Kölsch", denn damit wissen die wenigsten Nicht-Kölner etwas anzufangen. "Meistens wollen die Leute wissen, um was für einen Dialekt es sich da handelt", berichtet Joe. Aber, heimatverbunden wie sie sind, kommen die meisten Anfragen von den Rheinländern selbst. Meistens Auswanderer wie Joe, die ebenfalls ihr Glück in der Ferne gesucht haben und nun den Kontakt nach Hause halten möchten.

Und den halten die ausgewanderten Kölschen noch auf eine ganz andere Art, und zwar mit dem "Internet Relay Chat" (IRC). Diese Einrichtung im Internet muß man sich vorstellen wie einen Gesprächskreis, an dem man mit Hilfe eines IRC-Zusatzprogramms live teilnehmen ("chatten") kann, und bei dem ein Thema im Mittelpunkt steht. Bei Köln ist die Adresse des IRC-Kanals:

http://www.do.netsurf.de/homepages/hubi/koeln.

Dort reden dann Kölner, ausgewanderte Kölner, oder einfach solche Leute, die Interesse an Köln haben, über Themen rund um den Dom. Ein Thema, was natürlich ständig dabei auftaucht: der Tabellenstand des 1.FCKöln, und - man mag es kaum glauben - auch im Falle von Joe Hoevel immer wieder von Interesse: Die Kölner Verkehrs-Betriebe und ihre Fahrplanänderungen.

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